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Sella Ronda 2014

Sella Ronda Bike Day, 22. Juni 2014

Dieses Jahr musste es einfach klappen, nachdem in der Vergangenheit jeweils der Unfallteufel zuschlug oder dem Bike die Ersatzteile nicht zusagten stand heuer nur der Wetterbericht zwischen der Entscheidung, ins Südtirol zu fahren, oder ein geruhsames Wochenende zuhause zu verbringen.
Trainiert war ich ja für die anstehende Herausforderung, die letzten beiden Touren führten auf das Furkajoch und den Grimselpass, beides Bergstrecken, die mit der Sella Ronda an Höhenmetern vergleichbar sind.
Schlussendlich fielen die Würfel und wir fuhren schon am Freitag nach der Arbeit los. Denn da wir schon fast hundert Kilogramm CO2 in die Luft bliesen um nach Italien zu fahren sollten es wenigstens zwei Touren werden um die Abgasbilanz zu beschönigen.

Von Corvara, wo wir unser Lager aufschlugen, radelten wir am Samstag Morgen bei noch sehr kühlen 8° Celsius los, ich war heilfroh dass ich meine dicken Winterhandschuhe dabei hatte, nebst Mütze und Ärmeln und Weste, denn in den Alpen kann das Wetter bekanntlich rasch umschlagen. Unter dunkelblauem Himmel rollten wir erst mal bergab um zur Rampe auf den Passo Valparola zu gelangen. Ab La Villa Stern ging es endlich bergauf, da würde der Organismus schon warm werden. Kaum Verkehr, Szenerie zum verlieben und ein zwar stetig ansteigender, aber nicht übermässig steiler Pass, der auch historisch einiges zu bieten hat. Denn dieser Dolomitenpass spielte im ersten Weltkrieg eine grosse Rolle, ein Museum auf der Passhöhe, die Festung Tre Sassi, und verschiedene Befestigungsanlagen und Gedenktafeln zeugen davon. Ein kurzes Stück weiter wurde uns noch der Passo di Falzarego geboten, es handelte sich bei der Abfahrt allerdings um ein Darlehen das wir auf dem Rückweg wieder durch einen Aufstieg zurückzahlen mussten.

Den wahren Grund für unseren Aufenthalt nahmen wir am nächsten Morgen in Angriff, den Sellaronda Bike Day.  Auch heute strahlte die Sonne wie ein defekter Atommeiler und liess die märchenhaften Felsenburgen der Dolomiten in leuchtendstem Glanz erstrahlen. Wahrlich ein prachtvoller Anblick!
Wie empfohlen starteten wir im Gegenuhrzeigersinn, schon recht früh morgens noch vor der Schliessung der Strecke für den Kraftverkehr. Allerdings musste erst mal ein Restaurant gefunden werden um den Koffeingelüsten Herr zu werden, die dazu servierten Schokolade-und Marmeladen-Hörnchen spendeten dann genug Energie um es über zwei Pässe, erst den Gardena und dann den Sella, zu schaffen. Während es auf ersterem noch einigermassen ruhig war, umschwirrten auf den folgenden Übergängen so viele Radfahrer das Passschild, dass es kaum möglich war ein Foto zu schiessen. In so einem Gedränge hätten sich bestimmt Ameisen wohl gefühlt, mir war es nicht ganz geheuer. In diesem Gewimmel verlor ich auch meinen Kumpel Dani aus den Augen, wir trafen uns erst am Nachmittag in der Unterkunft wieder. Auch mit dem lokalen Handbiker den ich da oben traf konnte ich nur mit Mühe ein paar Worte wechseln da wir voll im Gewusel standen. Wie ich später von Radfahrern vernahm müssen sich sicher noch zwei weitere Handbiker auf der Strecke befunden haben, leider traf ich keinen von ihnen.

Das rege Anfeuern und die Forza-Rufe der Rennradler war sehr erbaulich, viele Radfahrer wissen dass ein Handbike weniger Effizient ist als ein Rennrad und tun ihre Anerkennung durch zurufe kund. Das freut mich dann jeweils schon, insbesondere da ich bergauf wohl der langsamste der rund 22´000 Teilnehmer war. Es war schon erstaunlich welche Massen an Radlern den Weg ins Südtirol fanden, auf der gesamten Strecke von etwas über 50 km ein nicht abreissender Strom an Stramplern, dies mehrere Reihen breit. Aufgereiht wie eine einzige Perlenschnur zogen sich die farbigen Punkte über die Strasse und die Pässe hinauf.

Auf dem Pordoi Pass, dem Dritten Im Bunde, machte ich meine Mittagsrast, das Getümmel war nicht kleiner geworden, aber dank eines grossen Parkplatzes verteilte sich die Menge etwas. Wegen der Meereshöhe von über 2000 Metern auf den ersten drei Pässen war es angebracht, sich für die Abfahrt einen Windstopper überzuziehen, unten im Tal dann wieder die entgegengesetzte Übung, raus aus den Klamotten.

Wichtig bei solchen Touren, den Flüssigkeitshaushalt nicht vergessen, ich fülle jeweils meinen Trinkbeutel mit über zwei Liter Wasser, ich möchte ja nicht als Dörrfleisch enden.

Der letzte Anstieg des Tages zum Campolongo war auch der unspektakulärste, eine letzte Talfahrt hinunter nach Corvara und der Start verknüpfte sich mit dem Ziel.

Es war früher Nachmittag, Zeit genug um nach der Dusche den Heimweg anzutreten, fast 20 km Stau am Brenner verzögerten zwar die Heimreise, das bot aber eine gute Gelegenheit in Sterzing Pause zu machen und ein Nachtessen und einen Stadtbummel zu geniessen. Aber spät abends erreichten wir doch noch die Heimat, schnell das Bike zurechtgemacht für den morgigen Arbeitsweg und ab ging´s in die Heia.

 

Für die Fotogallerie bitte auf die untere Grafik klicken.

SellaRondaAlbum

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